1992

ich war etwa 14 Jahre alt, als ich verstand in welchem Umfeld sich meine direkte und indirekte Familie bewegt.

Im Mai 1992 starb meine Großmutter, die erste und einzige richtige Dame die ich bisher kennenlernte. Sie lebte in einer großen alten Villa, in dem immer alle Familienfeierlichkeiten stattgefunden haben. Ich mochte dieses Haus, die alten Möbel, die langen Gänge und großen Zimmer. Ich kann mich auch an das super moderne Haus gegenüber der Villa erinnern. Das von meinem Onkel. Richtig lässige 60er Jahre Großzügigkeit. Ich war fast jede Ferien bei meinem Onkel und meiner Tante zu Gast. Eigentlich war das damals ziemlich klasse, die haben ein eigenes Schwimmbad. Und einen Sohn, Markus, er ist zwar etwa 4 Jahre jünger als ich, aber ein witziger Bursche. Jedenfalls war ich mal wieder zu besuch dort, als meine Großmutter eines Nachts einschlief und nicht wieder wach wurde, was eigentlich ein stilvoller Abgang ist, meiner Meinung nach.

Und fragt mich warum, ich kann mich besonders an ein Bild von der großen feierlichen Beerdigung erinnern:

Der Platz vor den beiden Häusern: da parkten die großen und teuren Wagen der Gäste und zwischen drin unser zitronengelber Ascona mit dem schwarzen Vinyldach. Alles andere als neu und teuer. Mir war das peinlich. Sehr peinlich.

So peinlich das ich damals sogar meine Tante fragte, warum mein Vater sich nicht ein neues Auto kauft. Sie erklärte mir so einiges. Vorallem auch so offen und ehrlich das ich mir plötzlich echt doof vorkam, wieso bin ich da nicht selber drauf gekommen. Immerhin war ich ja schon 14 und an sich recht pfiffig. Wieso war ich ausgerechnet in diesem Punkt so naiv?

Ich wusste zwar das Onkel Klaus und mein Vater zusammen arbeiteten, aber mir ist erst damals bewusst geworden das es eigentlich heißen müsste, mein Vater arbeitet für Onkel Klaus. In der Firma von Großmutter Magarete. Das war auch der Grund, warum wir ein kleines Reihenhaus hatten und Onkel Klaus eine Schwimmhalle besitzt, in die unser Haus bequem reinpassen würde. Mir ist es bis dahin nie aufgefallen das wir die einzigen sind, die nicht wie die Anderen nahe beieinander lebten.
Ich weiß bis heute nicht warum das so war, ich weiß nur, und das macht mich sehr stolz, dennoch oder gearde deswegen sind meine Eltern immer mit mit Freude auf jedes Familienfest gegangen und unser gelber Ascona wurde immer mit der größten Selbstverständlichkeit zwischen den teuren Wagen der Anderen geparkt.

Nach dem Tod von Großmutter Magarete gab es allerding keine Familienfeste mehr in ihrer Villa. Und ich fuhr auch nicht mehr in den Ferien zu Onkel Klaus oder Markus zum planschen.

Allerdings änderte sich zuhause auch ein bisschen was. Wir kauften eine neue Einbauküche, und mein Vater tauschte den Ascona gegen einen BMW 320i in rot, wie meine Mutter es sich wünschte. Und wir fuhren das erste mal ins Ausland in den Urlaub, ne nix Bayrischer Wald, jetzt eroberten wir Österreich.

Meine Eltern haben nie über Geld gesprochen (ausser das es knapp ist), aber ich ahnte das der plötzliche, gefühlte Reichtum aus einer Erbschaft von Großmutter Magarete stammte.

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Eine Antwort to “1992”

  1. bereits am ersten Tag als wir den BMW vom Händler abholten, war mir klar, das dieses der Wagen sein wird um den ich Freitagsabends betteln werde, wenn ich ersteinmal den Führerschein habe. Und im Vergleich zum Ascona wäre der mit 4 Jahren noch fast ein Neuwagen.

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